{"id":1941,"date":"2019-09-20T14:09:28","date_gmt":"2019-09-20T12:09:28","guid":{"rendered":"https:\/\/simon.blog\/de\/?p=1941"},"modified":"2022-08-09T11:33:20","modified_gmt":"2022-08-09T09:33:20","slug":"wordpress-web-und-klima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simon.blog\/de\/2019\/wordpress-web-und-klima\/","title":{"rendered":"WordPress, das Web und das Klima"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Heute ist globaler Klimastreik, \u00fcberall auf der Welt und an <a href=\"https:\/\/www4.klima-streik.org\/demos\">\u00fcber 500 Orten in Deutschland<\/a>. Ich besch\u00e4ftige mich seit einigen Monaten mit dem Problem des Klimawandels, bin heute aber leider im Urlaub. Also habe ich statt Streik einen kleinen Blog-Post vorbereitet:<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Der menschengemachte Klimawandel ist real. Und wir alle sind Teil des Problems. In einem Jahr, in dem wir in Europa gleich mehrere Hitzerekorde gebrochen und stellenweise mit heftigen Waldbr\u00e4nden und Trockenheit zu k\u00e4mpfen haben, m\u00f6chte ich auf solche solch triviale Aussagen eigentlich keine Zeit verschwenden, einigen wenigen hartn\u00e4ckigen Klimaleugnern zum Trotz.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer \u00fcber die selbst verursachten Klimasch\u00e4den nachdenkt, wird schnell Flugreisen, gro\u00dfen Wohnungen, Autos oder Fleischkonsum auf der Liste haben. Doch einen vergleichsweise gro\u00dfen Faktor \u00fcbersehen wir nur all zu leicht: das Internet. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was hat das mit mir zu tun?<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei jedem Website-Aufruf werden schlafende Rechner geweckt, Daten \u00fcbertragen und Prozessoren beansprucht. Und das sowohl irgendwo \u201eim Internet\u201c als auch auf meinem Schreibtisch. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Betrieb des Internets entfallen bereits heute knappe 10% des j\u00e4hrlichen globalen Energieverbrauchs. Bis 2030 d\u00fcrfte dieser Wert auf \u00fcber 20% steigen. Besonders vor dem Hintergrund, dass ein gr\u00f6\u00dferer Teil dieser Energie aus nicht erneuerbarer Kohleverstromung gewonnen wird, macht diese Zahlen zum Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich wie in vielen anderen Bereichen haben wir auch was das Internet angeht n\u00f6tige Verbesserungen zu lange verschlafen. Es ist h\u00f6chste Zeit, das gro\u00dfe Problem dieses Jahrhunderts anzugehen um das Weltklima zumindest halbwegs stabil zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Probleme rund um das Klima sind ebenso vielf\u00e4ltig wie ihre Folgen. Daher m\u00f6chte ich mich im Weiteren vor allem mit einem Thema besch\u00e4ftigen: dem CO\u2082-Aussto\u00df von Websites. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Drittel des Webs<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Internet \u2013 oder genauer gesagt, <em>das Web<\/em> \u2013 ist keine monolithische Struktur, sondern setzt sich aus einem bunten Flickenteppich verschiedener Dienste und Angebote zusammen. Die gro\u00dfen Player wie Amazon, Google oder Facebook haben selbstverst\u00e4ndlich einen gro\u00dfen Hebel was schnelle Ver\u00e4nderungen angeht. Das&nbsp;\u201efreie\u201c&nbsp;Web, ist in einigen Punkten deutlich beh\u00e4biger. Fortschritt, Verbesserung und Weiterentwicklung verbreiten sich wesentlich langsamer.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch im freien Web gibt es einige gr\u00f6\u00dfere Player. Und wie der Zufall so will, arbeite ich seit \u00fcber einem Jahrzehnt mit einem Open-Source-Projekt, das f\u00fcr ein Drittel des Webs verantwortlich zeichnet. Die Rede ist selbstverst\u00e4ndlich vom Content-Management-System <em>WordPress<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Es d\u00fcrfte also niemanden wirklich \u00fcberraschen, dass ich nach eingehender Betrachtung des Problems \u00fcberlegt habe, was wir tun m\u00fcssen, um WordPress und damit ein Drittel des Webs klimafreundlicher zu machen. Es gilt, einem Trend immer komplexerer und \u00fcberfrachteter Websites entgegenzutreten. <\/p>\n\n\n\n<p>Die gute Nachricht ist, dass daf\u00fcr im Grunde keine technischen L\u00f6sungen mehr gefunden werden m\u00fcssen. Wir halten alle Werkzeuge f\u00fcr klimafreundliche Websites bereits in den H\u00e4nden, wir m\u00fcssen nur endlich konsequent darin sein, sie zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was jetzt zu tun ist<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf der globalen Ebene wird es Zeit f\u00fcr eine gemeinsame Anstrengung der Community. Wir m\u00fcssen Performance und Effizienz (und damit&nbsp;Ressourcen-Effizienz) in den Fokus unserer Aufmerksamkeit r\u00fccken. Jedes Feature, das in den&nbsp;WordPress-Core&nbsp;wandert, sollte genau so auf diese Faktoren \u00fcberpr\u00fcft werden, wie heute auf Barrierefreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleiches gilt selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr&nbsp;Themes&nbsp;und Plugins. Wir d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger hinnehmen, dass Entwicklerinnen und Entwickler unn\u00f6tige (und wirklich l\u00e4cherliche) Mengen&nbsp;Daten \u00fcbertragen um simpelste Funktionen und Designs zu realisieren. Einfachheit und Eleganz m\u00fcssen in unserer Wahrnehmung einen deutlich h\u00f6heren Stellenwert einnehmen und&nbsp;Themes, die es nicht schaffen, Gewicht zu reduzieren und so ihre negativen Folgen f\u00fcr das Klima abzumildern, m\u00fcssen \u00fcber kurz oder lang vom Markt verschwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ebenso problematisch wie einfach so drastische Schritte von einer ganzen Industrie zu fordern. Und genau hier stellt sich die Frage, ob und wie man so einen Prozess unterst\u00fctzen kann. Um das Bild der Barrierefreiheit zu bem\u00fchen: im Rahmen des WordPress-Projekts haben wir ein&nbsp;Accessibility-Team&nbsp;(kurz <em>a11y<\/em>) in&nbsp;dem Freiwillige&nbsp;mit unfassbarem Fachwissen den Weg des Gesamt-Projekts begleiten und <em>versuchen<\/em>, beratend t\u00e4tig zu sein. Warum also leisten wir uns nicht auch ein&nbsp;Sustainability-Team&nbsp;(<em>s12y<\/em>), das&nbsp;dieselben&nbsp;Aufgaben im Bereich der Nachhaltigkeit \u00fcbernimmt?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was wir alle tun k\u00f6nnen<\/h2>\n\n\n\n<p>Aber wir m\u00fcssen nicht auf (politische) Ver\u00e4nderungen warten, wir alle k\u00f6nnen genau jetzt etwas tun. Vorkenntnisse sind daf\u00fcr quasi nicht n\u00f6tig, aber die verschiedenen Sofortma\u00dfnahmen lassen sich danach etwas abstufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf <a href=\"https:\/\/www.websitecarbon.com\">websitecarbon.com<\/a> kann, \u00e4hnlich einem Speedtest, einfach eine beliebige URL auf ihren CO\u2082-Aussto\u00df hin getestet werden. Das Tool ermittelt den angenommenen Aussto\u00df auf Basis der Menge der \u00fcbertragenen Daten und kann diese (wenn vorhanden) mit der Anzahl der Seitenaufrufe multiplizieren. Das ist ein hervorragender Ausgangspunkt um die Effektivit\u00e4t aller folgenden Schritte zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Vorkenntnisse in Programmierung k\u00f6nnen wir uns alle unsere Websites betrachten und unn\u00f6tigen Ballast abwerfen. Muss auf dieser Seite wirklich eine <em>Google Map<\/em> geladen werden? Ist <em>diese Bildergalerie<\/em> wirklich n\u00f6tig? Wer braucht eigentlich <em>dieses Plugin<\/em> hier? Nicht falsch verstehen, ich will nicht dazu animieren, dass Web zu einer reinen Textw\u00fcste zu machen, ich will viel mehr dazu anregen, Bestehendes zu hinterfragen und gegebenen Falls zu entfernen, was eigentlich nicht n\u00f6tig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer eigene Plugins und Themes entwickelt (oder entwickeln l\u00e4sst), kann noch mehr tun. Genutzter Code kann in vielen F\u00e4llen vereinfacht, alte Code-Bibliotheken aktualisiert oder ganz entfernt werden. Jedes Byte, das nicht \u00fcbertragen wird, spart Ressourcen. Ganz nebenbei werden unsere Websites dadurch schneller, was nicht nur die Besucherinnen und Besucher freut, sondern auch Google.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer eigene Plugins und Themes vertreibt, verst\u00e4rkt diesen Effekt sogar noch weiter. Wird Code auf mehr Seiten eingesetzt, vergr\u00f6\u00dfert sich fast automatisch die Anzahl der Aufrufe, in denen der Code an Besucher (oder Bots) \u00fcbermittelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Liste l\u00e4sst sich fast beliebig erweitern und ich w\u00fcrde mich in den Kommentaren \u00fcber weiteren Input zum Thema freuen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ich pers\u00f6nlich tue<\/h2>\n\n\n\n<p>Nun bin ich in der bequemen Lage, dass meine Seiten schon l\u00e4nger auf Performance (und damit automatisch auf Resourcen-Sparsamkeit) optimiert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb verwende ich meine Zeit darauf, Vortr\u00e4ge zum Thema zu halten \u2013 zuletzt auf dem <a href=\"https:\/\/2019.zurich.wordcamp.org\/session\/wordpress-for-future-a-smarter-leaner-and-more-efficient-web\/\">WordCamp Z\u00fcrich<\/a>, in K\u00fcrze auf WordPress-Meetups in Leipzig, Bonn, Koblenz und M\u00fcnchen. <\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem stecke ich aktuell viel Zeit in das <a href=\"https:\/\/2019.stuttgart.wordcamp.org\/\">WordCamp Stuttgart<\/a>, dass vom 8. bis 10. November stattfinden wird. Unser Orga-Team arbeitet hart daran, das gesamte Event so nachhaltig wie m\u00f6glich durchzuf\u00fchren und das Thema Nachhaltigkeit auch in den Vortr\u00e4gen aufzugreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was tust du, um deine Website klimafreundlicher zu machen? Ich freue mich auf Kommentare.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute ist globaler Klimastreik, \u00fcberall auf der Welt und an \u00fcber 500 Orten in Deutschland. Ich besch\u00e4ftige mich seit einigen Monaten mit dem Problem des Klimawandels, bin heute aber leider im Urlaub. Also habe ich statt Streik einen kleinen Blog-Post vorbereitet: Der menschengemachte Klimawandel ist real. Und wir alle sind Teil des Problems. 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