Fünf Jahre WP Letter

Heute vor fünf Jahren war ich mächtig aufgeregt. Der Grund dafür war so sonderbar, dass niemand aus meinem Nicht-Nerd-Umfeld ihn verstanden hätte: ich war kurz davor, zum ersten Mal eine Ausgabe des WP Letter zu veröffentlichen.

Der kostenlose, wöchentliche WordPress-Newsletter wurde in den knapp drei Jahren davor von Sergej Müller geschrieben, der im Juni 2015 aber seinen Rückzug aus der Community bekannt gegeben hatte.

Staffelstab

Am 15. Juni 2015 war es also an mir, den Staffelstab zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass zumindest dieser kleine Teil von Sergejs Erbe weiter besteht. Nach ein paar sehr aufregenden ersten Wochen habe ich es geschafft, die 4-6 Stunden Arbeit an den wöchentlichen Letter-Ausgaben in meinen Alltag zu integrieren. Im Laufe der folgenden Jahre habe ich zigtausende deutsch- und englischsprachige Artikel zu WordPress gelesen und scherze gern, dass in Deutschland kein Beitrag zu WordPress veröffentlicht wird, der nicht früher oder später auf meinem Tisch landet.

Viel verändert habe ich seit 2015 derweil nicht. Einzig ein Abschnitt zu aktuellen WordPress-Meetups hat direkt ab meiner ersten Ausgabe einen Weg in den Letter gefunden. Das Design und grundlegende Konzept sind seither praktisch unangetastet geblieben. Das ist zum Einen der Tatsache geschuldet, dass es gut funktioniert – als alter Perfektionist hat mir Sergej die denkbar besten Voraussetzungen hinterlassen. Zum Anderen ist es aber auch einfach so, dass es verdammt aufwändig ist, genug Zeit für einen Relaunch oder auch nur ein Redesign in ein de-facto Hobby-Projekt zu stecken, das eigentlich super läuft.

Spenden

Eine Sache habe ich dann doch noch geändert: seit einigen Jahren ist der Letter spendenfinanziert. Zuvor gab es die, in der Praxis nur zwei Mal genutzte, Option einen Werbeplatz im Newsletter zu buchen. Durch die freiwilligen Spenden einiger Leserinnen und Leser über den deutschen Patreon-Klon Steady kommen jeden Monat einige Euro zusammen, die ausreichen, zumindest die Kosten für den E-Mail-Versand über Mailchimp zu decken. Ich freue mich über jede einzelne Spende, weil sie mir tatsächlich ermöglicht, ein bisschen mehr Zeit in die Weiterentwicklung des Letters zu stecken. Dass meine Arbeitszeit dabei niemals komplett über die Spenden finanziert werden wird, ist absolut okay.

Dennoch ist in meinem Hinterkopf der Traum, in der Zukunft mehr Spenderinnen und Spender gewinnen zu können. Wenn alle, die den Letter empfangen und lesen nur den kleinsten Unterstützer-Tarif (1€/Monat) auswählen würden, könnte ich mich tatsächlich hauptberuflich mit dem Letter und den vielen anderen „Hobby“-Projekten für die WordPress-Community beschäftigen.

Der neue WP Letter

Unter diesem etwas sperrigen Arbeitstitel schraube ich seit einigen Wochen an dem, nun schon mehrfach erwähnten und von mir bisher so sträflich vernachlässigten Relaunch des Letters. Es wird ein neues, zeitgemäßes Design geben, inhaltlich möchte ich ein wenig mehr experimentieren und weiter unten auf meiner Todo-Liste stehen noch ein paar alternative Versandmethoden für alle, denen E-Mail-Newsletter eigentlich schon zu angestaubt sind.

Mit ganz ganz viel Glück kann ich einen ersten Entwurf für das neue Design schon zum eigentlich Letter-Geburtstag am 25. Juni zeigen. Ganz definitiv aber später in diesem Sommer.

Ich erhoffe mir von dieser kleinen Frischzellenkur einen Motivationsboost für meine Arbeit und möchte gleichzeitig dafür sorgen, dass der Letter, der Inhaltlich in meinen Augen noch so relevant ist, wie er es vor 5 Jahren war, auch optisch nicht aufs Abstellgleis gerät.

Zusätzlich hoffe ich aber auch, wieder mehr in den Dialog mit den Leserinnen und Lesern des Letters zu kommen. Zum Beginn meiner Zeit beim Letter konnte ich durch das regelmäßig und recht prompte Feedback meiner Leserschaft ziemlich schnell einschätzen, ob ein Thema, das ich für wichtig halte auch in der Community so wahrgenommen wird, ob meine Beiträge für den Diskurs und das allgemeine Informationsbedürfnis irgendwie hilfreich waren. Mit der Zeit ist diese Feedback-Kultur weitgehend eingeschlafen, wie das in Blog-Kommentaren dieser Tage grundsätzlich zu beobachten ist. Ich würde mich freuen, wenn wir diesen Trend wieder umkehren könnten.

Vielen Dank

Auch wenn ich es selten öffentlich so klar gesagt habe: dass Sergej mir seiner Zeit den Letter übergeben hat, hat mir viel bedeutet und tut es bis heute. Praktisch alle darauf folgenden Projekte und Ideen wären ohne dieses Vertrauen in mich vermutlich niemals Realität geworden. Und so ist dieser 15. Juni auch für KrautPress, das PressWerk, Epiphyt, wpcheckliste.de und meine vielen anderen kleinen und großen Sperenzien ein kleiner Geburtstag.